Hier finden Sie eine ganz kleine Auswahl an relativ spektakulären Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln.
(zumindest war es für mich spektakulär)
Da ich mittlerweile durch meine berufliche Tätigkeit (IG BAU-Geschäftsführer) und meinem Ehrenamt (AfA-Vorsitzender) wöchentlich in den regionalen Medien als Person präsent bin, habe ich nur einige Artikel aus der Vergangenheit zusammengestellt.
Veit Wilhelmy kämpft innerhalb der SPD für eine andere Politik
VON MARGIT FEHLINGER
Maintaunus/Wiesbaden Ein guter Sozialdemokrat, sagt Veit Wilhelmy, prüfe mindestens einmal im Jahr, ob es noch Sinn macht, in der Partei zu bleiben. In diesen Zeiten aber müsse man sich die Frage "mindestens alle drei Monate" stellen. Der Wiesbadener Gewerkschafter macht keinen Hehl daraus, wie quälend die gebotene Solidarität mit den Genossen bisweilen sein kann. Denn derzeit sei "der linke Flügel der SPD nicht wahrnehmbar besetzt".
Veit Wilhelmy, der Mann mit dem freundlichen Lächeln und den sanften Augen, entpuppt sich als entschlossener Hardliner, wenn er Arbeitnehmerinteressen gefährdet sieht. Mit 14 Jahren schloss er sich den Jungsozialisten an, weil die "für Gleichheit und Gerechtigkeit" stehen. Seit 23 Jahren ist er in der SPD - aus genau denselben Gründen. Wenn Unternehmer ihre Mitarbeiter ausbeuten, wenn Arbeitnehmer "menschenunwürdig" behandelt werden, wenn Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden, dann bläst der 40 Jahre alte Geschäftsführer im Bezirksverband der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt zum Kampf gegen die "Großkonzerne und Großaktionäre" und gegen die Berliner Regierungspartei, die sich nicht mehr der Solidarität mit den sozial Schwachen, sondern dem Neoliberalismus verpflichtet fühle.
Dann läuft Veit Wilhelmy zur Hochform auf und verliert - selten zwar - auch schon einmal die Contenance. Wenn der ansonsten stets moderate und joviale Arbeitnehmervertreter die Stimme hebt und mit der Faust auf den Tisch schlägt, verblüfft und erschreckt er seine Umgebung: So aufgebracht haben sie den netten Mann noch nie zuvor erlebt.
Ganz anders, wenn es um seine eigenen Interessen geht: "Ich bin keine Kämpfernatur", sagt Veit Wilhelmy. Damit meint er, dass ihm die Ellbogen-Mentalität fehlt. Er möchte "allein durch gute Arbeit überzeugen". Nicht immer wird solche Zurückhaltung in eigener Sache von seinen Mitstreitern honoriert. Als er beispielsweise bei einer Kampfabstimmung den Vorsitz des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger gegen seinen Mitbewerber verlor, weil er auf Werbung für sich verzichtete und ausschließlich auf seine Leistung setzte, war er bitter enttäuscht: "Das hat weh getan", bekennt der Gewerkschafter.
Vor seiner Gewerkschafts-Karriere ist Veit Wilhelmy 15 Jahre lang in schwarzer Montur mit Kehrleine und Stoßbesen anderen Leuten aufs Dach gestiegen: Als "Glücksbringer" wurde er immer wieder von Wildfremden auf der Straße angefasst und fotografiert. Der Schornsteinfeger-Job habe ihm viel Freude gemacht, dennoch weint er ihm keine Träne nach: Intellektuell habe ihn die Arbeit nicht ausreichend gefordert.
Da feilt er lieber an Vorträgen, bereitet Tarifverhandlungen vor, verfasst Pressemitteilungen und erarbeitet Strategien für effiziente Wege, die Berliner Genossen doch noch zu einem Kurswechsel zu veranlassen. "Wir haben keine Geldnot, sondern ein Verteilungsproblem", ist Veit Wilhelmy überzeugt. "Wenn wir bei den Superreichen mehr abgeschöpften, wäre die Unterstützung der sozial Schwachen ein Klacks."
Der Weg zu einer politischen Wende führt nach dem Selbstverständnis Veit Wilhelmys über die Stärkung des Arbeitnehmerflügels. Er stellte sich deshalb an die Spitze der neu gegründeten AfA Wiesbaden / Rheingau-Taunus, um dort "knallhart die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten", und er geht in dieser Funktion mit seiner Partei nicht zimperlich um. So sehr liest er den Genossen die Leviten, so heftig protestiert er gegen den "Sozialabbau" und die "Kahlschlagskonzepte" und so entschlossen ruft er zu einem"Arbeitnehmerbegehren" im Rhein-Main-Gebiet auf, dass einige Parteifunktionäre ihn bereits zurückzupfeifen versuchen. Von parteiinternen Disziplinierungsversuchen bleibt er indessen unbeeindruckt: Wenn die SPD die AfA als "Feigenblatt" missverstehe, dann dürfe sie nicht mehr mit ihm rechnen.
Solche Drohungen sind zumindest augenblicklich noch nicht für bare Münze zu nehmen, sondern sie gelten ihm wohl mehr als verbale Selbstvergewisserung. Überlegungen, eine neue Partei zu gründen, verfolge er zwar mit großer Sympathie, aber er beteilige sich nicht daran. "Da versuche ich lieber, die SPD von innen her zu verändern."